Ferdinand Ebner: Gesammelte Werke. Online Edition.

1. Die Edition

Die Digitale Edition „Ferdinand Ebner. Gesammelte Werke“ ist ein Ergebnis des seit 1999 laufenden Ebner-Projektes, das das Ziel verfolgt, sämtliche Werke Ferdinand Ebners zu veröffentlichen.

Konzipiert wurde das Ebner-Projekt von Anfang an als Hybridedition, die aus einer wissenschaftlich-kritischen elektronischen Ausgabe einerseits und aus einer Reihe von kommentierten Leseausgaben im Druck besteht.

Im Arbeitsprozess wurde zunächst die elektronische Ausgabe erstellt, deren Dateien die transkribierten, kollationierten, textkritisch bearbeiteten und kommentierten Texte enthalten. Aus diesen Dateien wurden danach die Druckausgaben generiert. Aufgrund verschiedener Umstände hat es sich ergeben, dass die Druckausgaben früher veröffentlicht werden konnten als ihre digitalen Pendants (Liste der bisher erschienenen Druckausgaben).

Die vorliegende Online-Ausgabe soll diesen Zustand ändern und zur Veröffentlichung der zahlreichen Texte führen, die bisher nur den am Projekt Beteiligten zugänglich waren. In aufeinanderfolgenden Versionen werden Schritt für Schritt der Textcorpus erweitert und die Editionsumgebung mit Funktionen angereichert werden. Dem Benutzer sollen so sukzessive die Möglichkeiten gezeigt werden, die eine elektronische Textauszeichnung bietet.

1.1. Zitierweise

Wird aus der Ebner-Online-Edition zitiert, dann ist nach folgender Regel vorzugehen:

Ebner. Ferdinand: Titel des Werkes. In: Hörmann, Richard (Hg.): Ferdinand Ebner: Gesammelte Werke. Online Edition. 2014. Internetadresse (URL). Abrufdatum, Seiten.

also etwa:

Ebner, Ferdinand: Ethik und Leben. In: Hörmann, Richard (Hg.): Ferdinand Ebner: Gesammelte Werke. Online Edition. 2014. http://wfe.sbg.ac.at/exist/apps/ebner-online/index.html#toc_FragmentXII. 10.03.2014, S. 155.

1.2. Crowdsourcing

Eine inzwischen etablierte Methode, digitale Editionen zu erstellen, ist die, die einzelnen Arbeiten (Transkription, Auszeichnung und Lektorat) nicht von Experten durchführen zu lassen, sondern sie an interessierte „Laien“ zu vergeben. Ein Beispiel für ein solches „crowdsourcing“ ist die im Aufbau begriffene elektronische Ausgabe der Werke Jeremy Benthams (www.ucl.ac.uk/Bentham-Project/).

Diese Idee soll auch für das Ebner-Projekt genützt werden und zwar zunächst in der einfachen Form, dass Leser, die sich die Online-Texte durchlesen, gebeten werden, Ihnen eventuell auffallende Fehler zu melden, damit sie von den Mitarbeitern des Projektes beseitigt werden können. Obwohl ein Text bevor er Online geht, mehrfach lektoriert ist, kann nicht ausgeschlossen werden, dass er immer noch Fehler enthält. Es kann als ein Vorteil digitaler Editionen angesehen werden, dass sie es im Unterschied zu Druckausgaben gestatten, den Leser in die Qualitätssicherung der Texte mit einzubeziehen.

Sollte Ihnen etwas auffallen können Sie sich an folgende mail-Adressen wenden:

Falls damit Ihr Interesse geweckt wurde und Sie sich an weitergehenden Arbeiten wie der Transkription von Handschriften Ebners oder der Textauszeichnung in TEI/XML beteiligen möchten, können Sie sich gerne ebenfalls an die genannten Adressen wenden.

2. TEI/XML

In der Ebner-Online-Edition sind die Texte im für elektronische Editionen maßgeblichen TEI/XML-Standard bearbeitet.

TEI steht für Text Encoding Initiative (www.tei-c.org), die auf XML (Extensible Markup Language) aufbaut. Wie XML stellt die TEI ein Werkzeug zur Verfügung, mit dem elektronische Daten strukturiert werden können, im Unterschied zu XML aber speziell dazu, elektronische Texte auszuzeichnen. Die TEI wurde Ende der Achtziger-Jahre von verschiedenen US-amerikanischen Institutionen initiiert, die sich mit der Anwendung computergestützter Informationstechnologie für Geisteswissenschaften und speziell für die Sprachwissenschaft beschäftigen. Seit dem Jahr 2000 besteht mit dem TEI Consortium eine die Einhaltung und Weiterentwicklung des internationalen und interdisziplinären Standards überwachende Institution. Mit einem sukzessiv ausgebauten Regelwerk ist es der TEI gelungen, sich international durchzusetzen und sich als der State of the Art der elektronisch arbeitenden Editionsphilologie zu etablieren.

Die Vorteile der TEI können aus editionsphilologischer und archivarischer Sicht wie folgt zusammengefasst werden:

  1. In die TEI-Richtlinien sind langjährige Erfahrungen von Philologen eingeflossen. Es ist kein Projekt von Programmierern.
  2. Das Projekt ist als Mitgliederkonsortium konstituiert. Neue Erfahrungen können also jederzeit eingebracht werden.
  3. Die Richtlinien geben jedem neuen Nutzer von XML eine fundierte Ausgangsbasis. Man muss nicht bei null anfangen, sondern kann von der Erfahrung Anderer profitieren.
  4. Durch die normierten Standards werden Texte schneller verstehbar und dadurch austauschbar. Es ist rascher oder überhaupt erst möglich, Kooperationsprojekte einzugehen.
  5. Austauschbarkeit heißt auch, dass Transformationsregeln transportierbar werden.
  6. Durch die normierte Notation bleiben die Texte letztlich auch archivierbar. Die Richtlinien werden zwar erweitert, aber niemals rückwirkend geändert. Damit können ältere Texte höchstens „primitiver“ ausgezeichnet sein, niemals aber falsch.

Die TEI stellt umfangreiche Möglichkeiten zur Auszeichnung von Texten zur Verfügung, Für die Digitale Edition des Ferdinand Ebner Projektes wird nur ein Teil davon verwendet. Die ausgewählten Textauszeichnungselemente (= Tags) sind in einer Dokumentation zusammengefasst und mit Beispielen erläutert. Sie bilden eine Bedienungsanleitung, mit der einerseits die bestehenden Texte bezüglich ihrer Auszeichnung verständlich werden und andererseits noch nicht ausgezeichnete Texte in die Digitale Edition eingefügt werden können, ohne dass dafür das Einarbeiten in einen proprietären kritischen Apparat erforderlich ist.

Das „Tagging“ der Texte schafft zugleich die Basis für deren weitere Auswertung, die dem Leser Informationen vermittelt, die weit über das hinausgehen, was klassische Web-Funktionalität liefert. Auch wenn sich gezeigt hat, dass die Anwendung von bestehenden Softwaretools keine brauchbaren Ergebnisse liefert, weil das für die Ebner-Texte sinnvolle „Tagging“ für diese zu spezifisch ist, trägt die Standardisierung entscheidend dazu bei, entsprechende Tools neu zu entwickeln und mit diesen zu einem bisher unerreichten Verständnis der Werke Ferdinand Ebners beizutragen.

3. Version 0.2

3.1. Systemvoraussetzungen

Für die Ebner-Online-Edition können folgende Browser verwendet werden:

  • Internet Explorer: ab Version 9
  • Mozilla Firefox: aktuelle Version über automatisches update
  • Google Chrome: aktuelle Version über automatisches update

Geräte (PC’s, Notebooks o.ä.), auf denen diese Browser laufen, sind in Bezug auf Hard- und Software gewöhnlich so ausgestattet, dass eine problemlose Benutzung möglich ist.

Mit einem gängigen DSL-Anschluss können die Seiten und Texte der Edition ohne störende Verzögerungen aufgerufen werden. Längere Antwortzeiten bringt die Volltextsuche nach trefferreichen Worten (z.B. „und“) mit sich.

3.2. Aufbau und Navigation

Die Ebner-Online-Edition ist grundsätzlich in eine Startseite und eine Textseite aufgeteilt.

3.2.1. Die Startseite

Nach Aufruf der Ebner-Online-Edition durch Eingabe der Adresse wfe.sbg.ac.at in die Adresszeile des Browsers erscheint die Startseite mit einem Bild Ebners, einer Titel- und Menüleiste, einem einleitenden Text und den Logos der Sponsoren am unteren Rand.

Die Funktionen dieser Komponenten der Startseite sind im einleitenden Text beschrieben (wfe.sbg.ac.at/exist/apps/Frontpage/index.html).

3.2.2. Die Textseite

Auf die Seite mit den Texten gelangt man, indem man auf der Startseite den Menüpunkt Die Digitale Edition anklickt.

Auf der Textseite befinden sich oben nebeneinander die Titelleiste und die Orientierungsleiste. Auf der Seite links gibt es eine aufklappbare Navigationsleiste, an die Laschen geheftet sind. Den übrigen Teil der Seite nimmt der grau hinterlegte Textbereich ein, in dem die Texte, Fußnoten und Metainformationen (Kommentare o.ä.) angezeigt werden.

Die Titelleiste besteht aus einem Bild Ebners und dem Titel der Edition. Beide haben die Funktion eines home-buttons und führen beim Anklicken zur Startseite mit dem einleitenden Text.

Die Orientierungsleiste daneben setzt sich aus der Titel-, Abschnitts- und Seitenangabe des Werkes zusammen, das gerade geöffnet ist. Ist eine Seite im Textbereich sichtbar, dann werden unter „Titel:“ der Titel des Werkes angegeben, zu dem die Seite gehört, unter „Abschnitt:“ der Abschnitt und unter „Seite:“ die Seitenzahl.

Die Navigationsleiste ist bei erstmaligem Aufruf der Textseite aufgeklappt, so dass das Werkverzeichnis sichtbar ist. Die drei angehefteten Laschen sind mit W, I und S gekennzeichnet. W steht für das Werkverzeichnis, I für das Inhaltsverzeichnis und S für die Volltextsuche.

Soll die Navigationsleiste später zu- und aufgeklappt werden kann dies über die Laschen W und I erfolgen.

Unter W ist das Werkverzeichnis aufgelistet, das entsprechend der Ebner-Nachlassordnung des FIBA aufgebaut ist. Darin sind Ebners hinterlassene Schriften in die folgenden vier Kategorien eingeteilt:

  • Philosophische Werke
  • Künstlerische Werke (Gedichte)
  • Notizen mit Aphorismenbänden und Tagebüchern
  • Korrespondenz mit Briefen/Postkarten von und an Ferdinand Ebner

Durch Anklicken einer Kategorie (entweder Pfeil links oder Titel) geht die nächste Ordnungsebene auf. Das Öffnen eines Textes im Textbereich geschieht im Normalfall auf der Ebene der Titelangabe. Eine Ausnahme davon bilden jene Werke, zu denen es Textstufen gibt, bzw. deren Textstufe näher gekennzeichnet werden kann. In diesen Fällen erfolgt die Auswahl nicht über den Titel, sondern über die Textstufe.

Wird ein Werk geöffnet, dann erscheint im Textbereich dessen erste Seite. Mit den Bild-auf/ab-Tasten sind Seitenwechsel möglich. Die Pfeil/Cursortasten, die so wie das Scrollen mit der Maus einen Zeilenvorschub bewirken, sind dann aktiv, wenn die Navigationsleiste geschlossen ist. Im anderen Fall können mit ihnen die Einträge des Werk- bzw. Inhaltsverzeichnisses markiert werden.

Die Seitenzahlen entsprechen den Seitenzahlen des Originaltextes im Nachlass, die einzelnen Seiten sind durch deutliche Seitenumbrüche voneinander abgehoben. Der Edierte Text ist linksbündig formatiert, die Seitengröße stellt sich automatisch auf die Länge des Originaltextes ein. Schrift und Zeilenlänge sind so gewählt, dass ein ermüdungsarmes Lesen möglich ist (ca. 70 Zeichen inkl. Leerzeichen pro Zeile).

Fußnoten werden über ein Fußnotenzeichen angegeben, dessen Anklicken den Fußnotentext rechts neben dem Haupttext einblendet. Wird eine andere Fußnote geöffnet, wird die bisher offene Fußnote geschlossen. Ist die Navigationsleiste offen, wird sie beim Aufrufen einer Fußnote automatisch zugeklappt.

Ist ein Werk über das Werkverzeichnis geöffnet, können seine Abschnitte über das Inhaltsverzeichnis ausgewählt werden. Abschnitte sind vom Autor vorgenommene Werkgliederungen wie Kapitel, Aphorismen- oder Tagebucheinträge. Bei Auswahl eines Abschnittes wird zu der entsprechenden Seite im Text gesprungen. Wenn wie bei Tagebüchern die Anzahl der Abschnitte groß ist, gibt es am rechten Rand der Navigationsleiste eine Bildlaufleiste, mit der die nicht sichtbaren Abschnitte zu erreichen sind.

3.2.2.1. Suche

Durchsucht werden kann die Ebner-Online Edition auf zweifache Weise: einmal über die Lasche S in der Navigationsleiste und zum anderen über das Browser-Suchfenster (gewöhnlich mit STRG+F aufrufbar).

Die Lasche S stellt eine Volltextsuche auf Wortebene zur Verfügung. Dabei werden sämtliche, im Werkverzeichnis gelistete Texte auf Treffer für den zu suchenden Ausdruck hin recherchiert. Nach Anklicken öffnet sich ein Fenster mit einer Eingabezeile und einer Drop-Down-Liste mit verschiedenen Suchmodi. Über den Button „Suchen“ wird die Suche gestartet.

Um Treffer zu erhalten, ist die Eingabe von ganzen Worten erforderlich, d.h. „Substanz“ wird gefunden, „Subst“ nicht.

Als Suchmodus kann „Alle“ oder „Phrase“ eingestellt werden. „Alle“ bedeutet, dass alle Treffer zu jedem Wort in der Eingabezeile aufgelistet werden, also im Falle von „nicht das rechte“ alle Treffer zu „nicht“, „das“ und „rechte“. Soll nicht nach einzelnen Worten, sondern nach Wortfolgen in der eingegebenen Reihenfolge gesucht werden, dann ist die Option „Phrase“ einzustellen. Im Falle von „nicht das rechte“ werden dann alle Treffer für „nicht das rechte“ aufgelistet.

Die Trefferliste besteht aus der Angabe der Anzahl der Dokumente, in denen der gesuchte Ausdruck gefunden wurde, der Titel der Werke, in denen es Treffer gab, und jeweils darunter der Liste von Treffern. Diese sind gelb hinterlegt und in einer Zeile mit mehreren davor und danach folgenden Wörtern, die den Kontext des betreffenden Ausdrucks sichtbar machen. In der Version 0.2. werden dabei auch jene Zeichen ausgegeben, die im Edierten Text ausgeblendet sind, wie etwa die Abkürzungen „u.“.

Im Unterschied zur Volltextsuche ist die Browser-Suche auf das Werk beschränkt, das im Textbereich gerade geöffnet ist. Dafür können hier die Treffer über die entsprechenden Browser-Befehle abgesprungen werden (meistens über ENTER oder über Pfeiltasten) – eine Funktion, die in Version 0.2. noch nicht in der Volltextsuche implementiert ist.

4. Editorische Berichte zu den Texten

4.1. Allgemein

Die Version 0.2. der Digitalen Edition ist wie die Druckausgaben eine Leseausgabe, d.h. sie stellt eine vom Herausgeber zum Zweck der besseren Lesbarkeit redigierte/normalisierte Überarbeitung des Originaltextes dar. Im Besonderen sind in der Leseausgabe alle textkritischen Informationen wie Einfügungen, Durchstreichungen etc. ausgeblendet.

In Bezug auf alle hier publizierten Werke gilt, dass Einfügungen im Originaltext von den Herausgebern dann als Fußnoten interpretiert werden, wenn diese vom Autor explizit als solche gekennzeichnet wurden, ihre Position im Original (etwa bei den gedruckten Ausgaben letzter Hand) oder ihre Stellung im Text sie als Fußnoten ausweist. Um das Zitieren zu erleichtern und die Fußnoten typographisch hervorzuheben, sind diese durchlaufend nummeriert und nicht wie oft in den Originalen mit Sternchen markiert.

Sperr- und Fettdruck, Interpunktion, Datumsangaben, Absatzgliederungen folgen strikt den Vorlagen; hingegen wurde auf die Beibehaltung der Zeilenumbrüche verzichtet. Wo Ebner von der Kurrentschrift in moderne Schreibschrift wechselt (konsequent etwa bei Fremdwörtern und fremdsprachigen Zitaten), werden die entsprechenden Wörter und Passagen kursiv gesetzt wiedergeben.

Typographisch-historisch akzidentelle Umschreibungen versaler Umlaute (z.B. „Ärgernis“, normalisiert aus „Aergernis“) wurden schweigend geglättet, ebenso wie die Fälle von Schreib- und Satzversehen (z. B. frz. „medisance“, richtig: „médisance“). Hervorzuheben ist, dass die Wertung als Schreibfehler auch zeitbedingt ist und Schreibweisen, die heute als falsch gelten, zur Zeit Ebners der Norm entsprachen (z.B. „darein“, „hieher“). Ist dies aus der Sicht des Herausgebers der Fall, wird die historische Schreibweise beibehalten.

Abkürzungen wurden durchgehend schweigend aufgelöst.


4.2. Die Texte

4.2.1. Ethik und Leben

Abkürzung: EuL

4.2.1.1. Einführung

Zusammen mit der im Herbst 2013 erschienenen Druckausgabe ist die vorliegende digitale Version von EuL die erste Veröffentlichung dieses Werkes. EuL ist damit der einzige umfangreiche philosophische Text Ebners, der bisher zur Gänze noch nie veröffentlicht wurde. Zwischen 1913 und 1914 in Gablitz entstanden, bildet die Schrift den Abschluss und Höhepunkt der sogenannten „philosophischen Periode“ Ebners. Diese lässt sich zwar zeitlich nicht genau bestimmen, da ihr Beginn und Ende durch Übergangsphasen gekennzeichnet sind, in Bezug auf das Thema und die Textsorte lassen sich aber eindeutig „Häufungswerte“ ausmachen, die eine Hervorhebung einer philosophischen Periode rechtfertigen. Vor dieser Phase bestand die literarische Produktion Ebners hauptsächlich aus Gedichten, nach 1908 und bis zu EuL nur mehr aus Aphorismenbänden und Tagebüchern. Im Vergleich zu diesen zeigt sich deutlich, dass EuL sowohl hinsichtlich des Umfanges, des systematischen Aufbaus als auch des Inhaltes der Kulminationspunkt der in den Notizen aufgezeichneten Gedanken ist. Zugleich markiert das Werk aber auch einen Endpunkt in der geistigen Entwicklung Ebners, da das zentrale Thema von EuL in der danach folgenden Phase bis zur Entstehung des Hauptwerkes Das Wort und die geistigen Realitäten 1918/1919 keine Rolle mehr spielt. In der Folge geht es Ebner nicht mehr darum, eine Ethik auf der Basis eines erweiterten Lebensbegriffes zu entwickeln, noch darum, eine Metaphysik der individuellen Existenz zu begründen. So will Ebner sein Hauptwerk gerade nicht als Philosophie oder Metaphysik verstanden wissen, sondern als „Pneumatologie“. Ein weiteres Argument für die Kennzeichnung von EuL als eigenständigem „Frühwerk“ sind die überlieferten Kommentare, die Ebner zu seinem Werk abgegeben hat und in denen es durchgehend als Abschluss einer Phase seines Denkens erscheint. Und schließlich spricht auch die Tatsache, dass es bisher noch zu keiner Veröffentlichung gekommen ist, dafür: für alle Herausgeber von Werken Ebners war EuL ein eigenständiger Text, der sich nicht in jenes dialogphilosophische und christlich-existentielle Denken einordnen lässt, für das Ebner bekannt ist und um dessen Veröffentlichung es den jeweiligen Herausgebern ging. Demgegenüber verfolgt die vorliegende Neuausgabe ein breiter angelegtes Ziel, indem Werke aus allen Perioden herausgegeben werden, um so Ebners Denken in seinen vielen Aspekten und in seinen über die Zeit erfolgten Änderungen bekannt und verständlich zu machen. Auf der Basis eines derartigen Editionskonzeptes ist die Druckausgabe und jetzt auch die elektronische Ausgabe des Frühwerkes EuL ein notwendiger Teil des Editionsplanes.

4.2.1.2. Zur Überlieferung

EuL ist zweifach überliefert: einmal in Form eines Manuskriptes und zum anderen in Form der Druckfahnen des Pustet-Verlages aus dem Jahr 1936. Beide sind Teile des Ferdinand Ebner Nachlasses am Forschungsinstitut Brenner-Archiv (FIBA) der Universität Innsbruck.

Die Textgrundlage der vorliegenden Erstausgabe ist das Manuskript, bestehend aus 160 beidseitig in Kurrentschrift beschriebenen 21 x 34 cm großen, aus Bogenhälften ausgeschnittenen Seiten. Die Seiten sind in einer mit zwei Schnüren verschließbaren Mappe gebündelt. Die Handschrift ist in schwarzer Tinte unterschiedlicher Stärke gehalten und lässt sich durchgehend der Hand Ebners zuordnen. Am Ende des Textes sind in Bleistift ein Vermerk und eine Widmung hinzugefügt, die beide dem Schriftbild Ebners entsprechen und lauten: „Geschrieben im Sommer 1913 u. Frühjahr 1914“, „Für Hildegard Jone im April 1931 F.E.“ Die Korrekturen – Durchstreichungen und meistens am Rand vorgenommene Einfügungen – sind, von Ausnahmen abgesehen, ebenfalls in schwarzer Tinte vorgenommen worden. Der Urheber der im Nachhinein mit Bleistift getätigten Eingriffe ist aufgrund der Tatsache, dass Vermerk und Widmung ebenfalls in Bleistift gehalten sind, mit hoher Wahrscheinlichkeit Ebner gewesen. Dafür sprechen die Datumsangabe vom „April 1931“ und die Tagebucheintragungen vom 19.4. und 22.4.1931. Offenbar hat Ebner in dieser Zeit EuL noch einmal durchgelesen und weitere Korrekturen in Bleistift vorgenommen, möglicherweise bereits in Hinblick auf ein von Hildegard Jone geäußertes Interesse an einer künftigen Drucklegung. Ebenfalls in Bleistift sind Absatzzeichen im Manuskript eingetragen worden, sowie Angaben für den Drucksatz. Beide dürften entweder vom Verlag oder von Jone stammen, da sich das Manuskript im Zuge der geplanten Drucklegung in den Händen des Pustet-Verlages befand und die Absätze in den Druckfahnen den korrigierten des Manuskriptes entsprechen. Gelegentlich finden sich auch Markierungen mit Buntstift, die entweder von Hildegard Jone oder vom Verlag vorgenommen wurden, da in den Druckfahnen auch An- bzw. Durchstreichungen in der gleichen Farbe vorkommen. Dass Franz Seyr, der für seine Ausgabe von Werken Ebners bevorzugt mit Buntstiften Eingriffe in die Originalmanuskripte vornahm, dafür in Frage kommt, ist unwahrscheinlich, da er erst zwischen 1963 und 1965, während der Arbeit am dritten Band, Kenntnis von der Existenz der Handschrift bekam (vgl. Seyr III, S. 770, n1).

Aufgrund des über weite Strecken sauberen, ohne große Korrekturen flüssig geschriebenen Textes liegt die Vermutung nahe, dass das Manuskript eine Reinschrift darstellt. Verfolgt man die Entstehungsgeschichte von EuL anhand von Tagebuch 1912–1916, dann lässt sich die Frage, welche Textstufe das überlieferte Manuskript darstellt, so beantworten:

Im April 1912 erwähnt Ebner zum ersten Mal, dass ihm der Gedanke gekommen ist, „das entscheidende Problem der Biologie in geschlossener Darstellung anpacken“ (Tgb 1912–1916, 13.4.1912) zu wollen. Ein Jahr später, im April 1913, setzt er den Gedanken in die Tat um und beginnt mit der Niederschrift einer „metaphysische[n] Deutung der biologischen Periodizität“ (Tgb 1912–1916, 6.4.1913). Daraus entsteht ein Entwurf, von dem Ebner Ende Juni in den Sommerferien eine Reinschrift anfertigen will (Tgb 1912–1916, 26.6.1913). Zugleich muss er sich aber Anfang Juli eingestehen, die begonnene Arbeit um das ursprünglich gewählte Thema nicht fortsetzen zu können, da sie sich zu einer „ethische[n] Metaphysik der individuellen Existenz“ erweitert hat (Tgb 1912–1916, 1.7.1913). Ebner erwägt die Möglichkeit, die Abschnitte über die Periodizität herauszunehmen und sie gesondert zu bearbeiten (Tgb 1912–1916, 18.7.1913), verfolgt dieses Vorhaben aber nicht weiter, sodass es zu keiner Reinschrift des Entwurfs kommt und die Arbeit über den Sommer weitgehend eingestellt wird (Tgb 1912–1916, 3.10.1913). Am 12.10. hält Ebner fest, dass er die „Arbeit wieder hergenommen und bis heute das einleitende Fragment nochmals geschrieben [habe], kürzend, zusammendrängend und vor allem die vielen Zitate streichend“ (Tgb 1912–1916, 12.10.1913). Er berichtet über den Fortgang der Arbeit und die Fertigstellung des „II.“ (Tgb 1912–1916, 16.10.1913) und des „III. Fragmentes“ (Tgb 1912–1916, 4.11.1913). Nach dem 4.11. hören die Tagebuchaufzeichnungen auf und setzen sich mit Ausnahme der Erwähnung des Besuches bei Hermann Swoboda am 5.3.1914 erst im Mai 1914 fort. Am 26.5. erklärt Ebner die Unterbrechung und gibt zugleich den Abbruch der Arbeit an EuL bekannt: „Es war meine Absicht, die Führung eines Tagebuches erst dann wieder aufzunehmen, wenn ich meine Arbeit über die Metaphysik der individuellen Existenz fertig gebracht hätte. Sie ist nun nicht fertig geworden, zwar nicht knapp vor dem Schluß, so doch nicht weit von ihm, entschwand mir total die Fähigkeit weiterzuschreiben – und sie wird augenscheinlich auch niemals fertig werden“ (Tgb 1912–1916, 26.5.1914). Einige Tage später zieht Ebner ein Resümee seiner bisherigen Arbeiten: „[…] als ich voriges Jahr die Sache begann, hatte ich mehr oder minder deutlich alle möglichen Dinge im Auge. Zunächst wollte ich durch sie mit dem Dr. Swoboda in Verbindung kommen. Darauf war sie angelegt, daran scheiterte der erste Entwurf. Der zweite, der im Herbst begonnen wurde, war umgaukelt von den vermessensten Wunschphantasien. Daß er zu keinem Ergebnis führte, darf ich doch ehrlicher Weise nicht bedauern. Und ein dritter – wenn er mir jemals kommt, so muß er mir kommen wie im Schlafe“ (Tgb 1912–1916, 29.5.1914). Im Laufe des Jahres 1914 versucht Ebner wiederholt an diesem dritten Entwurf zu arbeiten, die Versuche gehen aber nicht über gedankliche Konzepte und Notizen hinaus (vgl. z.B. Tgb 1912–1916, 21.11.1914). Ende 1914 glaubt Ebner, wieder einen Endpunkt erreicht zu haben (vgl. Tgb 1912–1916, 23.12.1914), kann sich aber dennoch noch einmal motivieren, schafft es aber auch 1915 nicht, seine Gedanken zu einem neuen Entwurf zu bündeln (vgl. z.B. Tgb 1912–1916, 11.3.1915). Im Dezember 1915 verkündet Ebner das Ende der Arbeit an EuL: „Die philosophische Arbeit, die mich im Winter vor zwei Jahren so intensiv beschäftigt hatte, bleibt unvollendet liegen, das steht jetzt wohl endgültig fest“ (Tgb 1912–1916, 23.12.1915). Im Tagebuch 1916 wird dieses Ende bestätigt (vgl. Tgb 1916, 17.2.1916, S. 22).

Aus der exzerpierten Entstehungsgeschichte ergibt sich, dass das überlieferte Manuskript mit hoher Wahrscheinlichkeit in der Zeit zwischen dem 9.10.1913 und dem 26.5.1914 geschrieben wurde. Dafür sprechen das auf der Mappe angegebene Anfangsdatum vom 9.10.1913, das mit dem im Tagebuch vom 12.10.1913 genannten Datum übereinstimmt, und die Inhaltsangaben zu den ersten drei „Fragmenten“, die sich mit dem Inhalt der entsprechenden Kapitel im überlieferten Manuskript decken. Da, wie erwähnt, das überlieferte Manuskript den Eindruck einer Reinschrift vermittelt und es sich dabei nicht um jene handeln kann, die Ebner im Zusammenhang mit dem von ihm genannten „ersten Entwurf“ nennt, ist zu vermuten, dass Ebner bis zum 26.5.1914 sowohl einen Entwurf als auch eine Reinschrift anfertigte und das überlieferte Manuskript diese Reinschrift darstellt. Bestätigt wird diese Annahme durch den Tagebucheintrag vom 12.6.1914, in dem Ebner davon schreibt, dass seine „Metaphysik des Lebens und der individuellen Existenz […] eingepackt mit Entwürfen und Notizen, in einem richtigen Verbannungswinkel placiert ist“ (Tgb 1912–1916, 12.6.1914). Mit der „Metaphysik des Lebens“ bezieht sich Ebner auf das erhaltene Manuskript und mit den „Entwürfen“ auf die dieser Reinschrift vorangegangenen, sich ursprünglich offenbar in derselben Mappe befindlichen Entwürfe, wahrscheinlich inklusive des ersten Entwurfs über die „biologische Periodizität“. Dass Ebner am 29.5.1914 rückblickend von einem „zweiten Entwurf“ schreibt, kann als terminologische Unschärfe gewertet werden, indem Ebner hier nicht zwischen dem Entwurf, der der Reinschrift voranging, und jenem, der auf den ersten Entwurf der „Metaphysik der Periodizität“ folgte, unterscheidet. Zusammenfassend gibt es nach dieser Rekonstruktion folgende Textstufen:

  • 1. Textstufe: Manuskript mit dem Entwurf zu einer „metaphysischen Deutung der biologischen Periodizität“, entstanden zwischen dem 6.4.1913 und dem 1.7.1913 (von Ebner zum „ersten Entwurf“ gezählt).
  • 2. Textstufe: Manuskript oder Manuskripte mit Entwürfen zu einer „Metaphysik des Lebens und der individuellen Existenz“, entstanden zwischen dem 9.10.1913 und dem 26.5.1914 (von Ebner zum „zweiten Entwurf“ gezählt).
  • 3. Textstufe: Manuskript mit einer Reinschrift zu einer „Metaphysik des Lebens und der individuellen Existenz“, entstanden zwischen dem 9.10.1913 und dem 26.5.1914 (von Ebner ebenfalls zum „zweiten Entwurf“ gezählt).

Ein Problem dieser Rekonstruktion ist das Enddatum vom 26.5.1914. Obwohl dieses Datum durch die von Ebner nachträglich 1931 mit Bleistift hinzugefügte Angabe am Schluss von EuL bestätigt wird, ist auf der Mappe ein anderes Datum angegeben, und zwar „[nach] 23.12.1914“. Was zwischen dem 26.5.1914 und dem 23.12.1914 an EuL weiter gearbeitet wurde, lässt sich nicht präzise angeben. Die Erwähnung vom 26.5.1914, dass die Arbeit „nicht knapp vor dem Schluß, so doch nicht weit von ihm“ nicht fertig geworden sei, kann verschieden gedeutet werden. Eine Möglichkeit ist, dass das letzte Kapitel über die „Idee der Gnade“, das sich sowohl hinsichtlich der Vielzahl an Korrekturen als auch hinsichtlich seines Inhaltes von den anderen Kapiteln unterscheidet, erst nach dem 26.5. geschrieben wurde und so den fehlenden Schluss darstellt, den Ebner an diesem Tag vermerkt. In den Aphorismen 1912–1914, deren Aufzeichnungen ähnlich wie die des Tagebuches zwischen Oktober 1913 und April 1914 aufhören, ist aber innerhalb des fraglichen Zeitraumes keine Fokussierung auf das im letzten Kapitel behandelte Thema der „Gnade“ festzustellen. Daher ist die zweite Möglichkeit, dass Ebner bis Ende 1914 nicht das Schlusskapitel hinzufügte, sondern lediglich Korrekturen an der Reinschrift vornahm und in den Aphorismenaufzeichnungen einen Weg suchte, wie er zu einem „dritten Entwurf“ von EuL kommen könnte. Die vermehrten Korrekturen des letzten Kapitels sind dieser Deutung nach der Ausdruck einer gesteigerten Unsicherheit Ebners, die er angesichts der nicht mehr weiter aufrechtzuerhaltenden gedanklichen Stringenz des Werkes bekam und die zu einem für ihn unbefriedigenden Schluss führte.

Die Druckfahnen zu EuL bestehen aus 414, ca. 14 x 18 cm großen Seiten, die auf zwei in Karton eingebundene Bände aufgeteilt sind. Der gesetzte Text ist mit Korrekturen in Bleistift und den erwähnten An- bzw. Durchstreichungen in Buntstift versehen. Auf der ersten Seite des ersten Bandes findet sich eine handschriftliche Bemerkung Hildegard Jones mit folgendem Wortlaut:

Die in den Druckfahnen durchstrichenen Stellen – im Manuskript stehen sie selbstredend unangetastet da – können eventuell ausgelassen werden bei einer Herausgabe von „Ethik u. Leben“, weil sie, durch Wiederholung u. Substanz, das Werk möglicherweise etwas beschweren.
Die angestrichenen Stellen ergeben, in loser Aneinanderreihung, eine brauchbare Aphorismen-Auswahl, die selbständig erscheinen könnte.
Weitere Angabe für die Drucklegung, Vorwort u.s.w., sind in meiner Hand Hildegard Jone Aug. 1938

Aufgrund des Datums hat Jone diese Bemerkung zu einem Zeitpunkt den Druckfahnen hinzugefügt, als bereits feststand, dass es zu keinem Druck im Pustet-Verlag kommen wird. Daher dürfte Jone die Zeilen für eine zukünftige Drucklegung verfasst haben. Im Erwerbsakt des FIBA befindet sich ein von Walter Ebner 1950 bzw. 1959 verfasstes Verzeichnis des schriftlichen Nachlasses seines Vaters, in dem erwähnt wird, dass es 2 Exemplare der Druckfahnen von EuL gibt, wobei eine von Jone, die andere von Theodor Steinbüchel korrigiert ist und beide sich im Besitz von Ebners Sohn Walter befinden (vgl. a. Gernot Dirk Evers: Sittlichkeit im Wort-Feld der Begegnung. Regensburg: Pustet, 1979, S. 214). Im Nachlassteil Walter Ebners, der 1987 über einen Leihvertrag vom FIBA übernommen wurde und mit dem Tod Walter Ebners 1998 in den Besitz des FIBA überging, haben sich allerdings die Druckfahnen mit den Korrekturen Steinbüchels nicht erhalten.

In dem Verzeichnis Walter Ebners werden auch das Manuskript von EuL und Hildegard Jone als dessen „Inhaberin“ angegeben. Aus den späten 60er Jahren datiert eine von Seyr zusammengestellte Übersicht über den inzwischen in seine Hände gelangten Nachlassteil Ebners aus dem Nachlass Hildegard Jones. Darin wird das Manuskript ebenfalls erwähnt und zusätzlich die Korrespondenz zwischen Jone und dem Pustet-Verlag inklusive des Briefes von Theodor Steinbüchel an Jone, in der dieser seine Ablehnung des Druckes von EuL begründet. Berücksichtigt man, dass Jone das Manuskript vom Pustet-Verlag im Sommer 1937 zurückerhalten hatte (vgl. Jone an Pustet (Entwurf) [25.8.1937]) und die Druckfahnen auf unbekannte Weise Walter Ebner zukamen, dann stellt sich die Überlieferung so dar: als Seyr Ende der 50er Jahre begann, an seiner Werkausgabe zu arbeiten, konnte er – aus welchen Gründen auch immer – weder von Jone noch von Walter Ebner die Existenz des Manuskriptes in Erfahrung bringen. Deshalb meldet er im zweiten Band das Manuskript noch als „verschollen“ (Seyr II, S. 1131). Nach dem Tod Jones 1963 dürften sich ihre Erben an Seyr gewandt und ihm den Jone-Nachlassteil übergeben haben, sodass Seyr im dritten Band den Fund des Manuskriptes bekanntgeben konnte. Als es Ende der 60er Jahre auf Initiative von Seyr und dem damaligen Leiter des FIBA, Walter Methlagl, darum ging, die verschiedenen Nachlassteile Ebners zusammenzuführen, gelangte das Manuskript von EuL zusammen mit dem gesamten Jone-Nachlassteil schließlich an das FIBA. Die Druckfahnen kamen erst 1987 über den erwähnten Leihvertrag mit dem Nachlassteil Walter Ebners an das FIBA. Offen muss bei dieser Rekonstruktion bleiben, warum sowohl Johann Schelkshorn als auch Jaroslaw Jagiello in ihren Arbeiten, in denen EuL ausführlich rezipiert wird, schreiben, dass das Manuskript des Werkes verschollen sei und ihre Textgrundlage die Druckfahnen waren (vgl. Jaroslaw Jagiello: Vom ethischen Idealismus zum kritischen Sprachdenken. München: Don Bosco, 1997, S. 21; Gernot Dirk Evers: Sittlichkeit im Wort-Feld der Begegnung. Regensburg: Pustet, 1979, S. 214).


4.2.2. Das Wort und die geistigen Realitäten

Abkürzung: WgR

4.2.2.1. Einführung

Ferdinand Ebner hat WgR explizit zwar nie als sein Hauptwerk bezeichnet, aus seinen Äußerungen geht aber hervor, dass es für ihn diesen Stellenwert trotz der Kritik, die er in späteren Jahren daran übte, gehabt hat. Auch die spätere Rezeption hat diese Einschätzung des Werks übernommen und es als den Höhepunkt der Arbeit Ebners anerkannt. Die vorliegende Neuausgabe, die 2009 im Druck erschien, ist die erste, nach knapp 30 Jahren erscheinende deutschsprachige Ausgabe, nachdem alle bisherigen Ausgaben im Buchhandel vergriffen und nur mehr antiquarisch erhältlich sind.

4.2.2.2. Zur Überlieferung

Nach umfangreichen Vorarbeiten in Tagebüchern und Aphorismenbänden ist WgR zwischen 1918 und 1919 in vier, durch die Aufzeichnungen Ebners belegten, Textstufen entstanden, die sich alle am FIBA erhalten haben. Die vier Textstufen sind:

  • 1. Textstufe: ein von der Hand Ebners auf der Rückseite von 267 zugeschnittenen Lebensmittelkarten mit schwarzer Tinte in Kurrentschrift verfasster Entwurf, geschrieben vom 29.11.1918 bis zum 7.3.1919, mit zahlreichen Korrekturen und Ergänzungen versehen. Das Ende der Arbeiten wird von Ebner mit folgendem Vermerk auf der letzten Seite angegeben: „Gablitz, am 1. März 1919“.
  • 2. Textstufe: eine von der Hand Ebners in Kurrentschrift mit schwarzer Tinte auf 128 losen, doppelseitigen Blättern verfasste, durchnummerierte (Vorwort: I–VI; 4–254) Reinschrift des Entwurfs, entstanden im Zeitraum vom 14.3.1919 bis zum 12.4.1919 mit dem Vermerk am Schluss: „Geschrieben in Gablitz im Wienerwald, während des Winters von 1918 auf 1919. Abschluß des Manuskripts am 12. April 1919.“
  • 3. Textstufe: eine von Josef Matthias Hauer mit schwarzer Tinte auf 153 losen, doppelseitigen Blättern (dazu 4 Einzelblätter; insgesamt 309 beschriebene Seiten; Vorwort durchnummeriert: I–IV) in Kurrentschrift geschriebene Abschrift, entstanden zwischen dem 23.3.1919 und dem 24.4.1919.
  • 4. Textstufe: die im Brenner-Verlag Innsbruck 1921 erschienene, 244 Seiten umfassende Erstausgabe von WgR, basierend auf der Reinschrift von Josef Matthias Hauer und um ein Namensregister und Kolumnentitel ergänzt. Die zum Druck erstellten Korrekturfahnen haben sich zusammen mit den von Ebner darin vorgenommenen Korrekturen nicht erhalten.

Die Texte aller vier Stufen lassen sich eindeutig dem Autor zuordnen, die Korrekturen und Ergänzungen, die Ebner in den Textstufen vorgenommen hat, fallen alle in den angegebenen Zeitraum der Texterstellung.

Alle vier Textstufen weisen dieselbe Gliederung in insgesamt 18 Kapitel auf, die Ebner bewusst als „Fragmente“ bezeichnet hat, um auszudrücken, dass WgR trotz eines das Werk zusammenhaltenden Grundgedankens nicht als systematische Abhandlung aufzufassen ist. Als zweites Gliederungsprinzip hat Ebner innerhalb eines Kapitels den Text mit Asterisken in Abschnitte eingeteilt und den Inhalt dieser Abschnitte in den Textstufen 2 und 3 im Inhaltsverzeichnis und in der Textstufe 4 zusätzlich noch in Kolumnentiteln schlagwortartig zusammengefasst. Diese Kolumnentitel sind in der vorliegenden Version nicht wiedergegeben.

Die Fassung, die hier veröffentlicht wird, ist die 4. Textstufe. Die angegebenen Seitenzahlen entsprechen daher den Seitenzahlen der Erstausgabe.

4.2.2.3. Zeittafel zur Entstehung von WgR

Ebner hat seine Arbeiten an WgR in begleitenden Aufzeichnungen festgehalten, allerdings nicht systematisch, so dass eine lückenlose Rekonstruktion, wann er an welchen Fragmenten gearbeitet hat, nicht möglich ist. In den Aufzeichnungen des Tagebuches 1918 und der Briefe an Luise Karpischek werden sowohl die erste Niederschrift eines Fragmentes als auch nachträgliche Korrekturen daran erwähnt. Diese Unterscheidung wird in der folgenden Zeittafel berücksichtigt, eine Legende, die die verwendeten Kürzel erklärt ist am Ende zu finden.

Datum Fragment/Anmerkung Quelle
29.11.1918 Anfang Fragment 1 Tgb 1918, 29.11.1918
01.12.1918 Fragment 1 Tgb 1918, 1.12.1918; An Luise Karpischek 3.12.1918
02.12.1918 Pause Tgb 1918, 2.12.1918; An Luise Karpischek 3.12.1918
03.12.1918 Pause Tgb 1918, 3.12.1918
04.12.1918 Fragment 1 An Luise Karpischek 4.12.1918
05.12.1918 3. x Anfang Fragment 1 Tgb 1918, 6.12.1918
06.12.1918 Fragment 9 An Luise Karpischek 10.12.1918
7.12.1918 - 08.12.1918 Pause Tgb 1918, 7.12.1918 + 8.12.1918
09.12.1918 Ende Fragment 9 Tgb 1918, 9.12.1918; An Luise Karpischek 10.12.1918
10.12.1918 Anfang Fragment 10 Tgb 1918, 10.12.1918
11.12.1918 ? Tgb 1918, 11.12. 1918
12.12.1918 - 15.12.1918 Pause Tgb 1918, 12.12.1918,
An Luise Karpischek 13.12.1918
16.12.1918 ? Tgb 1918, 18.12.1918;
An Luise Karpischek 16.12.1918 + 18.12.1918
17.12.1918 ? Tgb 1918, 18.12.1918;
An Luise Karpischek 18.12.1918
18.12.1918 ? An Luise Karpischek 18.12.1918
19.12.1918 Anfang Fragment 6 Tgb 1918-1923, 20.12.1918
20.12.1918 Fragment 6 Tgb 1918-1923, 20.12.1918
21.12.1918 Fragment 6 Tgb 1918-1923, 21.12.1918
22.12.1918 Fragment 6 Tgb 1918-1923, 22.12.1918
23.12.1918 Pause Tgb 1918-1923, 23.12.1918
24.12.1918 - 28.12.1918 Pause Tgb 1918-1923, 24.12.1918-28.12.1918
28.12.1918 - 19.01.1919 Krankheit/Depression, Pause Tgb 1918-1923, 28.12.1918-21.1.1919
20.01.1919 Fragment 6 Tgb 1918-1923, 21.1.1919
21.01.1919 Ende Fragment 6; Fragment 18 Tgb 1918-1923, 21.1.1919
22.01.1919 ? Tgb 1918-1923, 22.1.1919
23.01.1919 ? Tgb 1918-1923, 23.1.1919
24.01.1919 ? Korrekturen Tgb 1918-1923, 24.1.1919
25.01.1919 ? Korrekturen Tgb 1918-1923, 25.1.1919
25.01.1919 - 26.01.1919 Pause Tgb 1918-1923, 25.1.1919 + 26.1.1919
27.01.1919 ? Korrekturen Tgb 1918-1923, 27.1.1919;
An Luise Karpischek 27.1.1919
28.01.1919 ? Korrekturen Tgb 1918-1923, 28.1.1919
29.01.1919 Pause Tgb 1918-1923, 29.1.1919
31.01.1919 - 02.02.1919 ? Korrekturen Tgb 1918-1923, 2.2.1919;
An Luise Karpischek 2.2.1919
03.02.1919 - 07.02.1919 ? + Korrekturen Tgb 1918-1923, 7.2.1919
08.02.1919 Pause Tgb 1918-1923, 8.2.1919
08.02.1919 - 09.02.1919 Pause Tgb 1918-1923, 8.2.1919-9.2.1919
10.02.1919 ? Tgb 1918-1923, 11.2.1919
11.02.1919 Anfang Fragment 12 Tgb 1918-1923, 11.2.1919;
An Luise Karpischek 11.2.1919
11.02.1919 - 16.02.1919 Fragment 12 An Luise Karpischek 16.2.1919
16.02.1919 Ende Fragment 12 An Luise Karpischek 16.2.1919
16.02.1919 - 22.02.1919 ? Tgb 1918-1923, 22.2.1919
22.02.1919 Fragment 16 An Luise Karpischek 22.2.1919
26.02.1919 Ende Fragment 17 Tgb 1918-1923, 26.2.1919;
An Luise Karpischek 27.2.1919
27.02.1919 Anfang Fragment 18 An Luise Karpischek 27.2.1919
01.03.1919 Ende Fragment 18 Tgb 1918-1923, 1.3.1919;
An Luise Karpischek 4.3.1919
03.03.1919 Fragment 4 An Luise Karpischek 4.3.1919
04.03.1919 ? An Luise Karpischek 4.3.1919
07.03.1919 ?; Fragment 14 Tgb 1918-1923, 7.3.1919
? Fragment 13 Tgb 1918-1923, 8.3.1919
05.06.1919 Vorwort Tgb 1918-1923, 6.6.1919
16.06.1919 2. x Vorwort Tgb 1918-1923, 16.6.1919
     
Legende
  ? Arbeit an unbekannten(m) Fragment(en)
  ? Korrekturen Korrekturen an unbekannten(m) Fragment(en)
  ? + Korrekturen Arbeit an unbekannten(m) Fragment(en) und Korrekturen an unbekannten(m) Fragment(en)
?   Datum der Arbeit unbekannt

4.2.3. Golgotha (1903-1904)

4.2.3.1. Einführung

Aus den zahlreichen Gedichten, die Ebner zwischen 1896 und 1907 verfasste, sticht das Gedicht Golgotha insofern hervor, als es Ebners Übergang vom Dichter zum philosophischen Denker markiert. Das Gedicht, das unter dem Eindruck des Todes des eigenen Vaters im September 1903 entstand und das angespannte Verhältnis zu diesem selbstkritisch beleuchtet, wird zugleich auch zu einer Besinnung auf die bisher geübte Tätigkeit des Dichtens. Diese wird von Ebner als eine der Tragweite des Ereignisses nicht gerecht werdende begriffen und zunehmend in Frage gestellt. Das in mehreren Fassungen vorliegende Gedicht zeigt das Ringen Ebners um seine Existenz als Dichter, das mit dem Aufgeben der sogenannten „poetischen Periode“ und der Hinwendung zur Philosophie und hier insbesondere zur Ethik endet.

4.2.3.2. Zur Überlieferung

Insgesamt ist das Gedicht Golgotha in vier Fassungen überliefert. Die vorliegende ist die Urfassung, die zwischen September 1903 und Anfang 1904 entstanden ist. Erhalten ist sie auf einem in der Mitte gefalteten Blatt, dessen Hälften auf beiden Seiten beschrieben sind. Die später bei der Aufnahme des Nachlasses eingefügten Seitenzahlen zählen nicht die Seiten, sondern die Blatthälften. Um eine Faksimile-Darstellung zu ermöglichen wird als Kompromiss eine recto-verso Seitenzählung angewendet.

Die drei späteren Fassungen sind in Mappen von Gedichten enthalten, die letzte in einer mit der Aufschrift „Gedichte. 1903–1907. Waldegg, Ende August 1907“.


4.2.4. Aphorismen 1915-1917

Abkürzung: Aph 1915-1917

4.2.4.1. Einführung

Aph 1915-1917 ist jener Aphorismenband, dessen Notizen sich noch um die Themen von EuL drehen. Der Band, der später entstanden ist als die überlieferte Reinschrift von EuL, zeigt, dass Ebner auch nach 1914 weiter über die Möglichkeiten einer Metaphysik des Lebens und über das Verhältnis von Ethik und Naturwissenschaft nachgedacht hat, ohne dass dieses weitere Nachdenken die von ihm angestrebte Überarbeitung von EuL brachte. Aph 1915-1917 sind also ein Nachklang auf EuL und weisen nur an einigen Stellen in Form von sprachphilosophischen Erörterungen auf den Beginn einer neuen, „pneumatologischen“ Phase in Ebners Denken hin, die zu WgR und der Dialogphilosophie führen wird.

4.2.4.2. Zur Überlieferung

Aph 1915-1917 (01.1915 – 24.12.1917) ist der sechste (gezählt nach der Nachlassordnung) von insgesamt 14 Aphorismenbänden, die zwischen 1905 und 1931 entstanden sind. Er ist in Form eines großformatigen (19 x 24 cm), schwarzen Schulheftes überliefert. Von den 116 Seiten nehmen die Aphorismen 80 Seiten ein, der Rest besteht aus Briefentwürfen und Analysen von Träumen (etwa von Josef Matthias Hauers „Wassertraum“). In der vorliegenden Version der Digitalen Edition sind nur die Aphorismen wiedergegeben. Diese lassen sich zur Gänze der Hand Ebners zuordnen, auch die zahlreichen Einfügungen sind von Ebner getätigt worden. Im Unterschied zu der Ausgabe von F. Seyr aus dem Jahr 1963 werden die Aphorismen hier zum ersten Mal vollständig veröffentlicht.


4.2.5. Tagebuch 1916

Abkürzung: Tgb 1916

4.2.5.1. Einführung

Tgb 1916 ist das erste der drei, im Zeitraum zwischen 1916 und 1918 entstandenen, Tagebücher, in denen sich Ferdinand Ebner gedanklich auf sein Hauptwerk Das Wort und die geistigen Realitäten vorbereitet. Es markiert einen Wendepunkt in Ebners geistiger Entwicklung, die ihn wegführt von dem Idealismus und der Lebensphilosophie früherer Jahre und ihn langsam annähert an ein dialogisches Verständnis des Menschen.

4.2.5.2. Zur Überlieferung

Von den 23 Tagebüchern, die Ebner zwischen 1900 und 1931 geschrieben hat, ist Tgb 1916 (30.1.1916 – 7.1.1917) das Fünfzehnte (Zählung gemäß der Nachlassordnung). Es ist im Nachlass am FIBA vollständig in einem 202 Seiten starken Schulheft überliefert und trägt den eigenhändigen Titel „Ferdinand Ebner, Tagebuch 1916–1917, enthält auch Aphorismen“. Überarbeitungen und Korrekturen im Text sind, bis auf wenige Ausnahmen, die mit Bleistift in Gabelsberger Kurzschrift vorgenommen wurden, in derselben Hand und mit derselben Tinte geschrieben, sodass sie mit hoher Sicherheit Ebner zugeordnet werden können. Der Text des Tagebuchs, der 1963 im zweiten Band der Seyr-Ausgabe auszugsweise veröffentlicht wurde, wird in der vorliegenden Ausgabe erstmals in ungekürzter Form präsentiert.


4.2.6. Tagebuch 1917

Abkürzung: Tgb 1917

4.2.6.1. Einführung

Tgb 1917 ist das zweite Tagebuch, das Ebner im Vorfeld seines Hauptwerkes Das Wort und die geistigen Realitäten verfasst hat. Und obwohl sich wie im Tgb 1916 die Hinwendung zur Sprache und zur Person gedanklich vertieft, zeigt dieses Tagebuch eine stärkere „subjektive“ Note. D.h. Ebner entwickelt den dialogischen Grundgedanken mehr aus einer Analyse seiner Erlebnisse heraus und weniger wie zuvor aus einer Auseinandersetzung mit den geistigen und welthistorischen Stömungen/Ereignissen seiner Zeit.

4.2.6.2. Zur Überlieferung

Tgb 1917 (7.1.1917 – 19.12.1917) ist das sechszehnte der insgesamt 23 Tagebücher (Zählung nach der Nachlassordnung), die Ebner zwischen 1900 und 1931 geschrieben hat. Es ist im Nachlass vollständig in einem 200 Seiten starken Schulheft überliefert und trägt auf dem ersten Deckblatt am Umschlag den eigenhändigen Titel „Ferdinand Ebner Tagebuch u. Aphorismen 1917“, auf dem zweiten den Titel „Tagebuch vom 7. Jänner bis 19. Dezember 1917“. Die wenigen Überarbeitungen und Korrekturen im Text sind in derselben Hand und mit derselben Tinte geschrieben, sodass sie mit hoher Sicherheit Ebner zugeordnet werden können. Der Text des Tagebuchs, der 1963 im zweiten Band der Seyr-Ausgabe auszugsweise veröffentlicht wurde, wird im vorliegenden Band erstmals ungekürzt publiziert.


4.2.7. Brief von Josef Matthias Hauer, 1920-11-29

4.2.7.1. Einführung

Der Brief von Josef Matthias Hauer, der zeitgleich mit Arnold Schönberg die Zwölftonmusik erfand, im Gegensatz zu diesem aber ein „österreichisches Schicksal“ erlitt, ist jener Brief, der das Ende der bis in die gemeinsamen Jahre am Lehrerbildungsseminar Wiener Neustadt zurückgehenden Freundschaft mit Ferdinand Ebner bedeutet. In ihm bringt Hauer in der ihm eigenen, unnachahmlichen Weise die Gegensätze zur Sprache, die ihn von Ebner bezüglich der Frage, was das Geistige im Menschen sei, trennten und die zusammen mit den charakterbedingten, persönlichen Verletzungen zu dem Bruch führten.

4.2.7.2. Zur Überlieferung

Überliefert ist der Brief in Form eines 42 x 33,5 cm großen Blattes, das in der Mitte gefaltet ist und dessen Hälften vorne und hinten beschrieben sind. Die später bei der Aufnahme des Nachlasses eingefügten Seitenzahlen zählen nicht die Seiten, sondern die Blatthälften. Um eine Faksimile-Darstellung zu ermöglichen wird als Kompromiss eine recto-verso Seitenzählung angewendet. Bis auf die ersten Zeilen ist der Brief in Bleistift gehalten. Die wenigen Durchstreichungen und Einfügungen stimmen mit der Handschrift des übrigen Textes überein und können Hauer zugeordnet werden.


4.2.8. Brief an Ludwig von Ficker, 1919-09-23

4.2.8.1. Einführung

Dieser Brief an Ludwig von Ficker ist der Erste, den Ebner an den Herausgeber des Brenner schrieb. Nach mehreren gescheiterten Versuchen, einen Verlag zu finden, hatte Ebner durch die Vermittlung des in München lebenden Satirikers und Kulturphilosophen Theodor Haecker das Manuskript von Das Wort und die geistigen Realitäten an Ficker zur Begutachtung geschickt, worauf dieser sich in einem von Ebner als „wohlwollend“ empfundenen Brief an ihn wandte, um ihm seine Bereitschaft zur Drucklegung zu bekunden. Die hier publizierte Antwort Ebners darauf markiert zugleich den Beginn einer bis zum Tod Ebners dauernden Freundschaft mit dem Innsbrucker Förderer.

4.2.8.2. Zur Überlieferung

Der 2 Seiten lange Brief wurde auf einem Blatt geschrieben. Die Kurrentschrift in Tinte ist eindeutig Ebner zuzuordnen, wer hingegen die Absatzzeichen und Gliederungszeichen am Rand eingefügt hat (Ficker?) muss offen bleiben.

5. Dank

Die vorliegende Version der Digitalen Edition der Werke Ferdinand Ebners ist das Ergebnis einer langjährigen Projektarbeit, das nur deshalb erzielt werden konnte, weil sich die Projektleiter und Herausgeber auf ein entsprechendes Umfeld stützen konnten. Allen Mitarbeitern, die sich im Laufe der Zeit mit viel Engagement am Projekt beteiligten sei hiermit gedankt.

Besonders erwähnt werden soll Walter Methlagl, der ehemalige Leiter des Brenner-Archivs und Präsident der Ferdinand Ebner Gesellschaft, der das Ebner-Projekt mit initiiert hatte und noch wichtiger ihm über die Jahre mit Rat und Tat zur Seite gestanden ist, so dass auch manche schwierige Situation bewältigt werden konnte.

In Bezug auf die Digitale Edition besonders hervorzuheben ist Romedius Weiss, ohne dessen technische Fertigkeiten und Informatik-Kenntnisse diese erste Version nicht entstanden wäre.